Berichte und Hintergründe

An dieser Stelle können etwas umfangreichere Texte erscheinen, die eigene praktische oder überblickartig auch wissenschaftliche Erfahrungen und Überlegungen weitergeben und zum Übernehmen und/oder zu Ergänzungen anregen.

„Gemeindepsychiatrie und Forensik – geht das zusammen?“

 

Kassel, 11. November 2016


Tagungsbericht von Christoph Müller


Die entscheidende Frage war so provozierend wie einleuchtend: „Gemeindepsychiatrie und Forensik – geht das zusammen?“ Damit beschäftigte sich ein Fachtag der Verbände im Kontaktgespräch Psychiatrie, der am 11. November 2016 im Haus der Kirche in Kassel stattfand und mit 120 Teilnehmenden ausgebucht war. Eine schlüssige Antwort konnte bei dieser trialogisch gestalteten Veranstaltung nicht formuliert werden. Es reichte offenbar, erst einmal gemeinsam Perspektiven für Menschen zu entwickeln, die zeitweise im Maßregelvollzug untergebracht sind und einen Weg in das Leben außerhalb der Klinikmauern finden müssen.

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"Sicherheit nach außen, Freizügigkeit nach innen"

Forensisches Dorf in LVR-Klinik Düren feiert 30-jähriges Bestehen

Beim denkwürdigen Anlass dabei war Christoph Müller

 

Sie wollten eine Brücke schlagen - vom forensischen Dorf in der psychiatrischen Klinik des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) in die Stadt Düren hinein. Folgerichtig fand der Festakt anlässlich des 30jährigen Jubiläums des forensischen Dorfs im Rathaus der rheinischen Stadt Düren statt. Der Dürener Bürgermeister Paul Larue fand letztendlich auch die richtigen Worte. Die Forensik an sich mache es einer identifikation schwierig. Doch könne es jeden treffen, schuldig zu werden, meint Larue, der gleichzeitig auch Vorsitzender des Forensik-Beirats in der Stadt Düren ist.

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„Wer schreibt, begibt sich auf Reise ins eigene Innere“

Hax-Schoppenhorst im Gespräch über neuesDepressions-Buch

Der Pädagoge Thomas Hax-Schoppenhorst, der seit vielen Jahren in der LVR-Klinik in Düren tätig ist, hat in diesen Tagen ein neues Buch veröffentlicht. In dem Band „Das Depressions-Buch für Pflege-und Gesundheitsberufe“ ermöglicht Hax den Leserinnen und Lesern einen multiperspektivischen Blick auf die Traurigkeit. Ein melancholisches Buch, das Ermunterung für Betroffene, Angehörige und unterstützende Menschen ist. Christoph Müller hat die Gelegenheit genutzt, mit Thomas Hax-Schoppenhorst ins Gespräch zu kommen.

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„Im Gesetz verharrt“

Den Gesetzentwurf zum nordrhein-westfälischen PsychKG unter die Lupe genommen

 Von Christoph Müller

Es hat aufhorchen lassen, als die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens vor der Sommerpause an die Öffentlichkeit getreten ist. Sie hat verkündet, dass mit dem neuen Gesetz zum Umgang mit den psychisch erkrankten Menschen ein großer Wurf gelingen wird. Der Prüfstein ist für die grüne Politikerin Steffens das Procedere um die freiheitsentziehenden Maßnahmen. Es hat Erinnerungen wach gerufen, dass jemand sich im jesuanischen Geist wagt, ein neues Evangelium zu verkündigen.

Diese Haltung des „Ich aber sage Euch ...“ ermuntert den Interessierten, einen Blick in den Entwurf des neuen Psych KG zu werfen. Statt der erwarteten Verheißung ist bei der genaueren Lektüre des Gesetzesentwurfs (vom 25. Mai 2016) Ernüchterung gefolgt. Denn der Entwurf erweckt nicht nur den Eindruck, hinter den Erwartungen zurückzubleiben. Viel schlimmer wirkt es, dass eine rot-grüne Landesregierung weit hinter konservativ regierten Landesregierungen und deren novellierten PsychKGs agiert.

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„Es sind noch viele Schritte zu machen“

Andrea Trost und Stefan Rogge veröffentlichen Buch zur Pflege im Maßregelvollzug

Das Gespräch gesucht hat Christoph Müller

Die forensisch-psychiatrische Pflege erwacht aus dem Schlaf. Ein Beleg dafür ist das Schaffen der Pflegeexpertin Andrea Trost und des Krankenpflegers Stefan Rogge. Mit dem Buch „Umgang mit Menschen im Maßregelvollzug“ setzen sie ein Zeichen. „Es geht uns nicht nur darum, die Vorurteile gegenüber der forensischen Psychiatrie abzubauen. Wir wollen um mehr Verständnis für die Menschen werben, die im Rahmen ihrer psychischen Erkrankung straffällig geworden sind“, betonen Trost und Rogge unisono.

Viel wichtiger erscheint es jedoch, dass sie mit dem Buch in der „Reihe Basiswissen“ des Psychiatrie-Verlags in Köln den State-of-the-art in der forensisch-psychiatrischen Pflege abbilden. Wer heute in der forensisch-psychiatrischen Pflege arbeitet, wird an den Grundhaltungen und Aufgabenbeschreibungen von Rogge und Trost sicher nicht vorbeikommen. „Uns ist natürlich bewusst, dass wir nur einen Meilenstein erreicht haben“, unterstreichen Trost und Rogge. Was in der Zukunft erdacht werde, werde sicher für den ein oder anderen von dem Buch ausgehen. Trost und Rogge selber erleben ihren regelmäßigen Think Tank im Fachausschuss Forensik der deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP). Dort pflegen sie nicht nur den fachlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen forensischen Kliniken, sondern insbesondere den interprofessionellen Diskurs.

Wer Andrea Trost und Stefan Rogge kennt, der wundert sich darüber nicht. Denn für die beiden psychiatrisch Pflegenden ist nicht unbedingt Feierabend, wenn sie die forensisch-psychiatrische Klinik des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) im Kölner Stadtteil Porz hinter sich lassen. Andrea Trost promoviert aktuell an der Pflegewissenschaftlichen Fakultät der Universität Witten / Herdecke zum Thema  „Potentielle Wirkfaktoren, die die Aussetzung der psychiatrischen Maßregel nach § 67 b StGB beeinflussen“ . Stefan Rogge ist vor dem Abschluss seines Bachelor-Studiums Psychische Gesundheit an der Fachhochschule der Diakonie im westfälischen Bielefeld.

Der Fachausschuss Forensik der DGSP ist für die beiden der Ausgangspunkt für das trialogische Miteinander in der forensisch-psychiatrischen Arbeit: „Wir können nicht über die köpfe der Menschen hinweg unsere Arbeit tun. Dann wird sie sicher misslingen. Es muss darum gehen, die Vielfalt der Möglichkeiten trialogischen Miteinanders zu finden. Die Recovery-Bemühungen und die Peer-Mitarbeit in Kliniken sind sicher nur Startpunkte weiterer Entwicklungen“, geben Trost und Rogge den eigenen Hoffnungen Ausdruck.

Die Arbeit im forensisch-psychiatrischen Setting verlange von den dort Tätigen eine hohe Verantwortung und ein großes Maß an Handlungs-, Fach- und sozialer Kompetenz, die vielfach eben nicht oder nicht korrekt genug wahrgenommen wird. Intensive psychiatrische Beziehungsarbeit sei nicht nur möglich, sondern aufgrund der oftmals schwer- und mehrfachkranken Klientel auch gefordert. Den Mitarbeitenden bietet sich hierbei ein inhaltlicher Gestaltungsspielraum (innerhalb der gegebenen Rahmenstrukturen) an, der genutzt werden solle, so Trost und Rogge.

Mit dem Buch „Umgang mit den Menschen im Maßregelvollzug“ wollen Trost und Rogge nun pragmatische Hilfe geben. Sie wissen darum, dass dieses Buch ein Schritt ist zu einer fachlich qualifizierteren und humaneren forensischen Psychiatrie. In den vergangenen Jahren habe sich viel getan. Es gebe in den kommenden Jahren noch viel Arbeit und Ermutigung. Die forensische Psychiatrie dürfe für die untergebrachten Menschen kein Abstellgleis sein. Wer in ihr seine psychiatrisch-pflegerische Arbeit mache, der müsse seine Rolle als jemand finden, der ermutige und Gestaltungsräume schaffe, meinen Trost und Rogge.

 

https://www.psychiatrie-verlag.de/buecher/detail/book-detail/umgang-mit-menschen-im-massregelvollzug.html

Ausstellung „Gefangene Geheimnisse“ im Kunsthaus Kannen

„Mutiges Projekt“

Ausstellung „Gefangene Geheimnisse“ im Kunsthaus Kannen

Wer hat keine Geheimnisse in seinem Leben? Wer hat denn schon einmal den Versuch gestartet, diese Geheimnisse beispielsweise auf einem Tonband zu verewigen und trotzdem den Menschen um sich herum zu verschweigen? Frauen und Männer, die als in der forensischen Psychiatrie untergebrachte Menschen am Projekt „Gefangene Geheimnisse“ teilgenommen haben, haben sich auf analogen Audiokassetten aufnehmen können. Anschließend haben sie die Tonträger in eine Honigmasse gesteckt. Derzeit stehen diese „Honig-Protokolle“ in der Ausstellung „Gefangene Geheimnisse“ der Künstlerin Cony Theis, die noch bis zum 1. Mai im Kunsthaus Kannen in Münster zu sehen ist.

Als „mutiges Projekt“ hat der Leiter des Maßregelvollzugsamtes beim Landschaftsverbands Rheinland (LVR), Klaus Lüder, in seinem Grußwort anlässlich der Vernissage die Arbeit von Cony Theis mit untergebrachten Frauen und Männern aus den LVR – Kliniken Bedburg-Hau und Langenfeld sowie dem Alexianer – Krankenhaus in Münster bezeichnet. Was sie geschaffen habe, sei mit einem Sprung ins kalte Wasser vergleichbar gewesen. Denn das Projekt „Gefangene Geheimnisse“ sei losgelöst vom therapeutischen Konzept gewesen. Für viele Mitarbeitende habe es bedeutet, loszulassen, während die untergebrachten Menschen sich hätten auf das künstlerische Schaffen einlassen müssen.

Die Größe des Projekts und auch der Wert der Ausstellung im Kunsthaus Kannen zeige sich darin, dass die Untergebrachten als Menschen gesehen würden. Mit der Ausstellung komme der Maßregelvollzug aus den eigenen Mauern heraus, gibt sich Lüder überzeugt. Mit dem Blick auf die Diskussionen um die fünf neuen Forensik-Standorte in Nordrhein-Westfalen meint Lüder: „Da steckt viel Bewegung, viel Energie drin. Man kann seine Angst allerdings nur verlieren, wenn man Offenheit und Bereitschaft zeigt, Neues kennenzulernen.“

Die in den forensischen Einrichtungen untergebrachten Menschen haben diese Zugewandtheit bereits gezeigt. Sie haben sich unter anderem darauf eingelassen, Doppelporträts mit Künstlerin Cony Theis aus Köln zu schaffen. In einem ersten Schritt haben die Männer Cony Theis gemalt oder gezeichnet, anschließend hat diese die Porträts der Ersteren aquarelliert. Es sind eindrucksvolle Porträts, die viel über die Menschen sagen, die sich hinter Gittern begegnet sind.

Die Kunstkritikerin Karin Thomas hat es in einem Werkstattgespräch mit der Künstlerin Cony Theis auf den Punkt gebracht, als sie darauf hingewiesen hat, dass Porträts nicht nur ein kontinuierliches Thema im künstlerischen Schaffen von Cony Theis gewesen sind. Die Porträts seien nicht nur als Einzelbild, vielmehr als Verlaufsform zu sehen. Die Aneinanderreihung verschiedener Variationen gebe letztendlich Aufschluss über die Identität eines Menschen, so Karin Thomas.

Cony Theis hat diese Fragen im Kunsthaus Kannen weiter gedacht. Das Interesse am Porträt geht ihrerseits einher mit dem Moment des Fremdseins, den es zu überwinden gilt. So sieht man bei den vielen Malereien und Plastiken, und auch bei den Honig-Protokollen, dass es Cony Theis um die einzelnen Arbeiten, gerade in Gefangene Geheimnisse aber auch vor allen Dingen um den Prozess geht, den sie ausgelöst und begleitet hat, und dessen letzter Teil die Ausstellung selbst ist. Ein Satz aus ihrem Munde ist dann auf jeden Fall in Erinnerung geblieben: „So manches Rätsel ist dann mit Absicht unlösbar geblieben“.

 Christoph Müller (Text und Fotos)

 http://conytheis.de

 

http://www.gefangene-geheimnisse.cony-theis.de

 

http://www.kunsthaus-kannen.de/kunsthaus.html

 

http://www.kerberverlag.com/gefangene-geheimnisse.html