Veröffentlichungen in R&P, Heft 3/2013

 

Adelheid Bezzel

Der Blick in den Spiegel...Standardisierte Erhebung der Ergebnisqualität im bayerischen Maßregelvollzug

Seit 2010 werden in allen bayerischen forensischen Kliniken standardisiert katamnestische Daten erhoben, koordiniert durch das Institut für Qualitätsmanagement des Maßregelvollzugs in Bayern (IFQM). Dem bayerischen Maßregelvollzug steht damit ein Instrument zur Einschätzung der Resozialisierungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die Kliniken können durch eigene Fragestellungen und Auswertungen spezifische Informationen erhalten und für die Klinikkonzeption nutzen. Mittels geeigneter Feedbackschleifen sind alle am Behandlungsprozess Beteiligten in der Lage, den weiteren Werdegang der Patienten zu verfolgen. In vielen Kliniken ist es bereits gelungen, die Datenerhebung in den Klinikalltag zu implementieren. Die erste Auswertung 2012 zeigt, dass bei vielen Patienten das erste poststationäre Jahr gut verläuft. Der Übergang von stationär zu ambulant ist besonders beachtenswert.

Schlüsselwörter: Maßregelvollzug, Ergebnisqualität, Katamnese

 

A look in the mirror ...Standardized outcome data on forensic psychiatric treatment in Bavaria

Since 2010 forensic psychiatric hospitals in Bavaria collect outcome data on rehabilitation, coordinated by an institute for quality management (IFQM). By asking questions and requesting specific analyses individual hospitals can gather suitable information to shape their clinical concepts. Feedback loops enable all those involved in the course of treatment to follow-up the development of patients after discharge from hospital. Many forensic psychiatric hospitals have successfully implemented the data collection into clinical routine. The first data set of 2012 shows good outcomes in the majority of cases for the first year after discharge. Particular attention should be paid on transfers from inpatient to outpatient settings.

Key words: Forensic psychiatry, outcome, follow-up, quality, rehabilitation

 

in: R&P 2013, Heft 3, S. 123-128

 

 

Thomas Barth

Sexuelle Viktimisierung im deutschen Strafvollzug. Ergebnisse aus einer Studie zu Partnerschaft und Sexualität inhaftierter Männer

Die inzwischen zahlreichen internationalen Studien zu sexuellen Gewalterfahrungen im Gefängnis – von sexuell anzüglichen Bemerkungen über die Gewährung von Schutz im Austausch für sexuelle Gegenleistungen bis hin zu einzeln oder gemeinschaftlich begangenen Vergewaltigungen – belegen das bekannte Dilemma inhaftierter Männer im Umgang mit der deprivierten eigenen Sexualität, als auch im Spannungsfeld der sexuellen Interessen ihrer Mitinsassen. Die Prävalenzraten sexueller Viktimisierung sind insbesondere in Staaten mit hohen Inhaftierungszahlen respektive Überbelegung der Gefängnisse alarmierend hoch.

Aktuell geben Daten aus den wenigen wissenschaftlichen Untersuchungen kriminologischer Arbeitsgruppen zu Haftbedingungen bzw. zur Viktimisierung (Zum-Opfer-Werden) im bundesdeutschen Strafvollzug nur punktuell Auskunft über die sexuelle Gewalt in Justizvollzugsanstalten einzelner Bundesländer. All diesen Studien aber ist gemein, dass sie mit Bezug auf die deutschen Justizvollzugsanstalten von einem gewissen, wenn auch eher geringen Grad davon ausgehen, dass Belästigungen, Gewalterfahrungen und individuelles Leiden im Kontext sexueller Selbstbestimmung den Alltag inhaftierter Männer bestimmen. Die hier vorgestellte quantitative Studie gibt Auskunft über eine im Jahr 2010 in der Berliner Justizvollzugsanstalt Tegel durchgeführte Befragung von Insassen mit mehrheitlich Langzeitstrafen und stellt Daten zu Inzidenz und Prävalenz konsensualer wie non-konsensualer sexueller Kontakte innerhalb des Gefängnisses vor.

Schlüsselwörter: Sexuelle Gewalt, Gefängnis, Männer, Vergewaltigung, Deutschland

 

Sexual victimisation in Germany’s prison system. A study on relationships and sexuality of male prisoners

International studies on exposure to violence in prison inmates look at various forms of sexual victimisation and point to high prevalence rates, especially in countries with a high rate of incarceration and overcrowding in prisons. Only sporadic data exists on the situation in Germany’s prisons indicating – albeit to a lesser extent – the day to day experience of  sexual harassment, violence and suffering. Data on incidence and prevalence of consensual and non-consensual sexual relations in Berlin-Tegel’s prison are presented.

Key words: Sexual violence, prison, men, rape, Germany

 

in: R&P 2013, Heft 3, S. 129-137

 

 

Bernd Wischka

Das Behandlungsprogramm für Sexualstraftäter (BPS-R). Erfahrungen und Evaluationsergebnisse1

Ein seit etwa zehn Jahren bestehendes und in Deutschland weitverbreitetes Behandlungsprogramm für Sexualstraftäter, revidierte Fassung (BPS-R), Anwendungserfahrungen mit dem Programm sowie Evaluationsergebnisse werden an einer Stichprobe von insgesamt 320 Teilnehmern vorgestellt.

Die Ergebnisse zeigen, dass das Programm von den Teilnehmern und Gruppenleitern gut angenommen und in seiner Wirkung positiv bewertet wird. Vergleiche zwischen Sexualstraftätern, Straftätern mit anderen Delikten und nicht inhaftierten Personen (Fachkräften) bestätigen eine Grundannahme des kognitiv-behavioralen Ansatzes, dass sich Sexualstraftäter deutlich von den anderen Gruppen hinsichtlich ihrer Einstellungen, bezogen auf sexuelle Kontakte mit Kindern und deren Folgen für die Opfer oder bezogen auf Vergewaltigungsmythen, unterscheiden. Die gemessenen Differenzen vor und nach Durchführung des BPS zeigen signifikante Reduzierungen deliktfördernder und eine Zunahme protektiver Persönlichkeitsmerkmale.

Verschiedene Prognoseverfahren (PCL:SV, SVR-20, RRS, ein Algorithmus nach Fisher und Thornton) zur Einschätzung der Rückfallgefahr werden miteinander verglichen. Es zeigen sich erwartungsgemäß hohe Zusammenhänge.

Eingeschränkt wird die Interpretation der Befunde in den Veränderungsmessungen dadurch, dass in dieser aus der Praxis heraus erfolgten Forschung die Werte nicht mit Kontrollgruppen ver­glichen werden konnten.

Schlüsselwörter: Behandlungsprogramm für Sexualstraftäter, BPS, Behandlungsforschung, kognitiv-behavioraler Ansatz, Prognoseforschung

 

A treatment programme for sexual offenders in Germany – data on acceptance and outcome

A treatment programme for sexual offenders (»Behandlungsprogramm für Sexualstrafäter – revised« BPS-R) is evaluated, using a random sample of 320 participants in Germany. Results show that the programme is well accepted by participants and therapists. Comparisons between sexual offenders, offenders with other crimes and non-prisoners (trained staff) confirm a basic assumption of the cognitive behavioural approach that sexual offenders differ significantly from the other groups in terms of their attitudes to sexual contact with children and its consequences for the victims, or to rape myths. Pre-post analyses show significant reductions in those personality characteristics encouraging offences and an increase in protective characteristics. Various prognostic techniques (PCL:SV, SVR-20, RRS, an algorithm by Fisher and Thornton) to evaluate the risk of recidivism are compared. As expected, high correlations were established. Lacking a control group the study results need to be interpreted with caution.

Key words: Sexual offenders, treatment, cognitive behavioural therapy, prognosis, Germany

 

in: R&P 2013, Heft 3, S. 138-145